Eine Geschichte, die meine Crew nie vergisst

Am ersten Abend unseres Törns lagen wir in einer stillen Bucht vor Anker, im Nordwesten der unbewohnten Insel Makronisos, keine Stunde von Lavrion entfernt. Wir hatten gerade erst zueinander gefunden, eine Crew, die sich einen Tag zuvor noch nicht kannte.

Beim gemeinsamen Kochen, mit einem Glas Wein in der Hand, während jemand Gemüse schnippelte und jemand anderes den Tisch deckte, lernte man sich besser kennen, so wie es beim gemeinsamen Kochen fast immer passiert.

Irgendwann fiel der Satz, den ich schon oft gehört habe: "Wäre doch der Hammer, wenn wir auch mal einen Thunfisch fangen, so wie auf deinen Fotos von dem anderen Törn." Ich hab genickt und gelacht. Im Stillen, glaube ich, hat kaum jemand daran geglaubt, dass daraus wirklich etwas wird.

Das Geräusch, das alles verändert

Am nächsten Tag hatten wir guten Wind, Kurs auf Kythnos, vorbei an Kea. Ich hatte die Schleppleine ausgebracht, so wie ich es immer mache, denn ein guter Freund sagte mir einmal:

"Nur der Köder im Wasser fängt den Fisch."

Gut zu wissen: Warum eine gute Fahrt beim Thunfisch-Angeln zählt

  • Man braucht mindestens 7,5 Knoten Fahrt, damit sich der Fisch überhaupt für den Wobbler interessiert, eine Kunstköder-Fischattrappe, die durchs Wasser gezogen die Bewegung eines kleinen, flüchtenden Fisches nachahmt
  • Segeln eignet sich oft besser als Motorfahrt, weil das Motorengeräusch Fische verschreckt
  • Genau diese Kombination aus Tempo und Stille macht Segelboote zu guten Angelplätzen

Crewmitglied beim Thunfisch angeln auf dem Segelboot in den Kykladen

Nach 2,5 Stunden kam das Geräusch. Dieses ganz eigene Surren, wenn die Schnur mit einem Ruck abgeht. Wer das noch nie erlebt hat, kann sich schwer vorstellen, was in diesem Moment an Bord passiert.

Es bricht so etwas wie positive Panik aus. Die meisten meiner Gäste waren zum ersten Mal auf einem Segelboot, und plötzlich ruft jemand "Fisch, Fisch, Fisch!" und alle springen gleichzeitig auf.

Als Skipper bin ich als Erster an der Angel, weil ich weiß, was jetzt zu tun ist. Während ich den Fisch schon spüre, wie er zieht und kämpft, gebe ich Kommandos: Segel einholen, Motor an, in den Wind drehen, ein bestimmtes Manöver fahren, damit die Schnur immer Spannung hat.

Die Crew ist in dem Moment völlig aufgedreht, jeder zückt das Handy, alle filmen, alle rufen sich gegenseitig zu, dass sie es nicht fassen können. Dann übergebe ich die Angel an jemanden aus der Crew, der Lust hat, den Fisch selbst einzuholen.

Ich sage vorher immer, ganz ruhig bleiben, langsam einholen, nicht hetzen. Ein guter Rat, an den sich in dem Moment ehrlich gesagt niemand hält, und genau das macht diese ersten Sekunden mit der Angel in der Hand so besonders.

Ein Thunfisch, auch wenn er, wie an diesem Tag, nur etwa acht Kilo wiegt, hat eine erstaunliche Kraft. Wer ihn einholt, kämpft wirklich, mit beiden Armen, oft lachend, schwitzend und voller Adrenalin zugleich.

Und weil die Segelyacht bei dem ganzen Trubel natürlich weiterhin über die Wellen tanzt, wird dem einen oder anderen zwischen Handy-Video und Adrenalin auch schon mal ein bisschen schlecht.

Warum ich einen Fisch so schnell wie möglich töte

Sobald der Fisch an Bord ist, geht es für mich vor allem um eines: ihm möglichst wenig Leid zuzufügen.

Ein kurzer, gezielter Schlag auf den Kopf, damit er sofort betäubt ist, danach wird die Hauptschlagader durchtrennt, damit das Blut abfließen kann. Das ist kein Zufall, sondern hat einen ganz praktischen Grund: Je mehr Blut im Fleisch bleibt, desto traniger schmeckt es später.

Wer den Fisch richtig ausbluten lässt, bekommt Fleisch, das zart ist und rein schmeckt.

Für mich ist das eine der ehrlichsten und respektvollsten Arten, Fisch zu essen. Ein Tier, das gefangen wird und kaum leidet, im Vergleich zu dem, was in großen Schleppnetzen passiert. Man fängt genau einen Fisch, für genau eine Crew, an genau diesem Tag

Loutra, Kythnos: rohes Fleisch mit dem Löffel

Wir sind mit dem frischen Fisch am Heck weitergesegelt bis in den kleinen, schnuckeligen Fischerhafen von Loutra auf Kythnos, bekannt für seine heißen Quellen direkt am Strand.

Dort, noch an der Pier, habe ich den Thunfisch filetiert, während die halbe Crew um mich herumstand und genau wissen wollte, wie das geht. Zwischen den Gräten, direkt vom rohen Fisch, haben wir mit dem Löffel die ersten Stückchen Fleisch herausgekratzt und probiert.

Der Moment, in dem jemand zum ersten Mal dieses rohe, butterzarte Fleisch probiert, das er selbst gefangen hat, eine Stunde vorher noch im Wasser: Das ist mit nichts zu vergleichen, was man aus dem Supermarkt kennt.

Welchen Geschmack man dabei im Kopf hat, bevor man selbst probiert hat, weiß ich nie genau, meist irgendwas zwischen Sushi-Restaurant und Skepsis. Danach ist dieser Vergleich meistens hinfällig.

Auch andere Segler im Hafen wurden neugierig, kamen rüber, wir haben ein paar Stücke abgegeben, und die Reaktion war fast immer dieselbe: "So guten Fisch habe ich noch nie gegessen."

Am Abend haben wir ihn dann auf zwei Arten zubereitet: einmal als Sashimi mit geröstetem Sesam und etwas Sojasauce, und einmal ganz klassisch mediterran, mit Olivenöl, Zitrone und Salz, dazu knusprig angebratenes Brot mit Oregano.

Beides auf seine Art perfekt, und beides ein Gericht, das es so nur an diesem Abend, auf diesem Boot, mit dieser Crew gegeben hat.

Frisch zubereiteter Thunfisch als Sashimi und mediterran, serviert im Cockpit

Was das mit deinem nächsten Segelurlaub zu tun hat

Nicht jede Crew fängt einen Thunfisch, das gehört auch zum Segeln dazu, wir sind in der Natur, Wind, Wetter, Wellen und Fische entscheiden selbst. Aber genau diese Offenheit für das, was der Tag bringt, ist es, die einen Segeltörn in Griechenland kulinarisch so besonders macht.

Der erste Abend beim gemeinsamen Kochen an Anker, bei dem sich die Crew über Gemüse schneiden und Wein näherkommt, gehört für mich genauso dazu wie die griechische Fava oder der klassische Salat mit Olivenöl und frischen Tomaten, die es fast überall gibt, auch ganz ohne Fleisch.

Als Skipper sorge ich dafür, dass für jeden an Bord etwas dabei ist, ob mit Fisch, vegetarisch oder beides, und dass wir die Häfen und Buchten ansteuern, in denen genau solche Momente entstehen können.

Einen Thunfisch fängt man nicht auf Bestellung. Aber man kann die Reise so planen, dass die Chance dafür da ist.

Wenn du selbst erleben willst, wie ein Segeltörn schmeckt, erfährst du hier, welche Plätze im Oktober auf unseren Törns durch die Kykladen noch frei sind.

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